Der Fluss der Ungewissheit

Der Ablauf der Iteration Zero wird mit einem Fluss visualisiert – dem Fluss der Ungewissheit. Zu Beginn der Iteration Zero weiss das Team nicht, wo die Reise hingeht. Zudem kennen sich oftmals die Teammitglieder nicht. Es besteht maximale Ungewissheit. An diesem Punkt einen konkreten Plan zu erstellen ist unmöglich. Mit der Iteration Zero kann diese Ungewissheit bewältigt werden.

Praktik und Beschreibung

Befähigung

Zu Beginn einer Iteratio Zero muss das Team zu Agilität befähigt werden. Das Team muss die Prinzipen und Werte der Agilität kennen. Dies gibt ihnen eine gewisse Sicherheit und hilft ihnen die Iteration Zero im Kontext der agilen Produktentwicklung einzuordnen.

 

Moderation

Das Team befindet sich während der Iteration Zero in einer grossen Unsicherheit. Jetzt bietet eine professionelle, straffe Moderation viel Struktur und vermittelt dem Team Sicherheit.

 

Adaption der Iteration Zero

Der Fluss kann auf vielen verschiedenen Wegen durchschwommen werden, es gibt kein richtig oder falsch. Je nach Ausgangslage muss die bestmögliche Reihenfolge der Praktiken durch den Iteration-Zero-Coach ausgewählt werden. Sprich: das Framework muss immer an die bestehende Situation angepasst werden. Diese Adaption setzt Erfahrung mit dem Framework voraus.

Weiter sollen auf dem Fluss auch Abbruchstellen identifiziert werden. Wenn während der Iteration Zero erkannt wird das der Erfolg des Produktes nicht gegeben ist sollte die Iteration Zero abgebrochen werden.

Beispiel aus der Praxis

Wir haben die Iteation Zero in einem Vertriebsbereich eines Transportunternehmens durchgeführt. Das ganze Team wurde vor dem ersten Iteration-Zero-Workshop in einer vierstündigen Schulung bzgl Agilität und agiler Produktentwicklung geschult.

Sie kannten somit die Werte und Prinzipien der Agilität und konnten auch die Praktiken in der kommenden Iteration Zero verordnen.

Während den anschliessenden Iteration-Zero-Workshops konnte der Coach immer wieder auf dieses Wissen zurückgreifen und mit dem Team nach jedem Element eine kurze Reflexion darüber durchführen. Damit war eine vertiefte Auseinandersetzung zur Agilität gewährleistet, in der Hoffnung, dass dies längerfristig Bestand hat.

Was steckt dahinter?

Iteratives Vorgehen

Während der ganzen Iteration Zero müssen immer mit einer ungewohnt grossen Unsicherheit Entscheidungen gefällt werden. Damit wird der Umfang des Produktes eingeschränkt und fokussiert. Je weiter man sich auf dem Fluss fortbewegt, desto mehr lernt man über das Produkt und die Kunden. Es müssen immer mal wieder die bereits erstellten Ergebnisse angepasst und geschärft werden.

 

Offener und geschlossender Raum

Das Spiel mit dem offenen und geschlossenen (Lösungs-/Denk-) Raum ist ein wichtiger Aspekt in der Iteration Zero. So wird bei den Personas und der Produkt-Vision der Denk-Raum bewusst sehr gross geöffnet. Wichtig ist, bei der Story Map diesen Raum wieder zu schliessen und sehr konkret zu werden. Beim MVP wird nochmals schmerzhaft ganz vieles abgeschnitten und es findet eine maximale Fokussierung statt.

 

Ausblenden der Komplexität

Zusätzlich wird bewusst die Komplexität teilweise ausgeblendet, da sie die Kreativität blockiert. Spätestens wenn die Story Map aufgebaut wird, muss die Komplexität wieder berücksichtigt werden. Insbesondere bei der Frage, in welche Systemlandschaft dieses Produkt integriert wird. Für das Team kann es sehr ungewohnt sein, die Komplexität während einer gewissen Phase zu ignorieren – Coaching-Arbeit ist hier gefragt.