MVP

Wie sieht das erste Produktinkrement aus?

Das erste Produktinkrement, welches an den Kunden ausgeliefert wird, heisst in der agilen Produktentwicklung Minimum viable Product (MVP). Es bezeichnet einen ersten, möglichst kleinen Teil des Produktes, welches für den Kunden bereits nutzbar ist. Durch die rasche Auslieferung eines MVP soll ein Lernprozess zum Produkt starten. Das Feedback von den Kunden zum MVP wird die weitere Produktentwicklung massgeblich gestaltet.

Praktik und Beschreibung

MVP aus Story Map schneiden

In der Praktik „Story Map“ wurde anhand der Story Map die innere Struktur des Produktes erarbeitet. Aus dieser Story Map lässt sich sehr gut das MVP schneiden. Was ist das absolute Minimum, welches ausgeliefert werden soll, damit der Lernprozess zum Produkt gestartet werden kann? Dieses Frage sollte im Team gleich nach dem Erstellen der Story Map geklärt werden.

Da sich auf diese visuelle Art sehr gut die Produktinkremente darstellen lassen, wird die Story Map teilweise von den Produkt Owner während der gesamten Produktentwicklung weitergepflegt.

 

MVP auf Flipchart beschreiben

Machmal hilft es zusätzlich zur Story Map auf einem Flipchart das MVP zusammenzufassen. Damit auch die Rahmenbedingungen wie z.B. "wird es an den Kunden ausgeliefert oder in einer Sandbox für interne Kunden betrieben?" festgehalten sind.

Beispiele aus der Praxis

Insbesondere in grossen Firmen sind wir es gewohnt, die Produkt-Release (oder Inkremente) so gross wie nur möglich zu schneiden. Es gibt ja auch nur ein paar Mal im Jahr die Möglichkeit, überhaupt etwas dem Kunden auszuliefern. Dieser Mindset-Change zu „wir schneiden das Produkt jetzt so klein wie möglich“ ist in der Praxis sehr schwierig. Oftmals einigt man sich auf ein relativ kleines MVP, will aber dann immer im Verlauf der Produktentwicklung das MVP wieder „vergrössern“. Auch das habe ich bei mehreren Teams schon erlebt. Vorallem wenn sie zu Beginn das MVP zu gross geschnitten haben. Dann dauert die Entwicklung zu lange und aus der Not heraus stopft man wieder viele Sachen in diesem bereits zu grossen "Release".  Das Team fällt somit zurück in alte Muster. Mind the gap!

Was steckt dahinter?

So klein wie nur möglich!

Mit dieser Praktik wird das Team und der Produkt Owner dazu gezwungen, das erste Produktinkrement so klein wie möglich zu schneiden. Dies ist eine sehr ungewohnte Denkweise – bis jetzt mussten die Produkte meistens so gross wie möglich sein. So kann mit den wenigen Releases im Jahr so viel wie nur möglich dem Kunden zu Verfügung gestellt werden. Der Coach muss das Team hier unterstützen und immer wieder aktiv fragen, ob das jetzt wirklich das kleinst möglichste Produktinkrement ist.

 

Was wollen wir zuerst lernen?

Oftmals ist es schwierig das MVP zu definieren. Muss jetzt Funktionalität X im MVP sein oder nicht? Hier hilft die Frage: Warum sollte es im MVP sein? Ist es sehr kritisch/ schwierig und wir wollen möglichst bald etwas dazu lernen?

 

Das Land der Wünsche und Träume

Oft wird auch gefragt, was jetzt mit den Produktfunktionen passiert, die sehr weit unten (also tief priorisiert) in der Story Map sind. Das Team muss verstehen, wie agile Produktentwicklung funktioniert, damit sie diesen Mechanismus nachvollziehen können. Falls sie also dieses Wissen nicht mitbringen, muss der Coach hier eine kurze Schulung geben. Ich nenne den Bereich unterhalb der MVP-Linie immer das Land der Wünsche und Träume!